in:polis
Kreative Städte in Deutschland
Köln, 22. - 23. Januar 2010
HENRICH-BÖLL-STIFTUNG

‹Komm in die Gänge› – mit dieser Aufforderung streitet eine gleichnamige Initiative für eine kulturelle Nutzung des Hamburger Gängeviertels. Sie wendet sich gegen Abriss und kommerzielle Nutzung im Quartier und hat damit eine Debatte in der Hansestadt entfacht. Keinesfalls handelt es sich um einen Einzelfall. Auch auf dem Berliner RAW-Gelände, im Frankfurter Nordend und im Belgischen Viertel in Köln haben sich Kreativquartiere entwickelt, deren räumliche Dynamik politische Kontroversen erzeugt.

Bis vor Kurzem noch folgten viele Kommunen in Deutschland dem Leitbild der «Creative City». Städte beauftragten Konzepte, Kulturwirtschaftsberichte und Strategien zur Ansiedlung von Wissensökonomien und Kreativunternehmen. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist es ruhiger um derartige Initiativen geworden. Möglicherweise taugt das Leitbild der Kreativen Stadt mit der Betonung von Kreativ- und Kulturwirtschaft als endogenes Potenzial aber gerade in der Krise als wirksame Alternative für die Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Die Heinrich-Böll-Stiftung und das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH (ILS) laden zum Praxisworkshop bundesweit Stadtentwicklungsexpert/innen, Politiker/innen und Projektemacher/innen ein, damit sie ihre Erfahrungen mit Kreativitätsstrategien austauschen, kritisch abgleichen und neue Ideen diskutieren können.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt: Ist «Kreative Stadt» ein zeitgemäßesKonzept für die Stadtentwicklung? Für welche Stadttypen eignet es sich besonders? Welche Strategien und Ziele verfolgen Städte bei der Unterstützung von Kreativ- und Wissensökonomien, wie realisieren sie konkrete Programme und Projekte? In welchem Zusammenhang steht die Förderung urbaner Lebensqualität in den Stadtquartieren mit der Entwicklung einer «Kreativen Stadt»? Wie gehen Städte mit parallel stattfindenden Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen in urbanen Kreativquartieren um?
PROGRAMM

Freitag, den 22. Januar 2010


13.30 Anmeldung

14.00 Begrüßung
Judith Utz – Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Prof. Dr. Rainer Danielzyk – Wissenschaftlicher Direktor ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Dortmund

14.15 Vortrag
(Good and Bad) Governance der Kreativen Stadt
Ares Kalandides – Stadtplaner und Geschäftsführer INPOLIS UCE GmbH, Berlin

Moderation der Vorträge: Prof. Dr. Rainer Danielzyk

14.45 Vortrag
Kreative Städte – Strategie gegen die Wirtschaftskrise?
Michael Söndermann – Kulturstatistiker Arbeitskreis Kulturstatistik e.V., Berater des Europäischen Rats für das Projekt «Compendium Cultural Policies and Trends in Europe», Köln

15.15 Kaffeepause

15.45 Parallele Workshops

WS I Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie «Wissensökonomien» – Ansiedlungsstrategien und Wirtschaftsförderung

PD Dr. Sabine Hafner – Stadtforscherin und Autorin der Studie «München – Standortfaktor Kreativität», Ludwig-Maximilians-Universität München
Paul Blanke-Bartz – Architekt und Städtebauingenieur
Wirtschaftsförderung Dortmund
Maria Kröger – Leiterin des Amts für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln

Moderation: Ralf Ebert – Stadtplaner und Berater, StadtArt, Dortmund

WS II Kulturpolitik – Angebote für «kreative Köpfe»?

Axel Sedlack – Leiter der Kulturbetriebe Unna
Christian Sommer – Musikmanager und Geschäftsführer Musikpark Mannheim GmbH und MAFINEX-Technologiezentrum
Cornelia Horsch – Leiterin des Internationalen Designzentrums Berlin (IDZ)

Moderation: Eva Leipprand – Journalistin, ehem. Kulturdezernentin der Stadt Augsburg

WS III Lebensqualität im Quartier – Freiräume für Kreative

Stefanie Raab – Architektin, Kiez-Moderatorin
Zwischennutzungsagentur Berlin - Neukölln
Vitus H. Weh – Künstlerischer Leiter quartier 21 und Freiraum im Museumsquartier Wien
Prof. Iris Reuther * – Professorin für Stadt- und Regionalplanung, Universität Kassel, Architektin Büro für urbane Projekte, Leipzig

Moderation: Judith Utz

17.15 Report aus den Workshops
Strategien für die «kreative Stadt»
Eva Leipprand, Judith Utz und Ralf Ebert berichten

Input: Kommt Hamburg in die Gänge?
NN – Hamburg

Moderation: Jan Engelmann – Referent für Kunst und Kultur, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

17.30 Streitgespräch
Kreative Stadt: Wie? Für wen?
Franziska Eichstädt-Bohlig, MdA – Sprecherin für Stadtentwicklung Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin
Prof. Dr. Jens Dangschat – Soziologe und Stadtforscher Technische Universität Wien, Fachbereich Soziologie
Moderation: Jan Engelmann

19.00 Ausklang mit Kölsch und Quiche

21.00 Ende der Veranstaltung



Samstag, den 23. Januar 2010

10.00 Streifzug durch Kölns Kreativquartiere
Stadtführung (3 Stunden)
Begrenzte Teilnehmer/innenzahl
* angefragt