HENRICH-BÖLL-STIFTUNG
‹Komm in die Gänge› – mit dieser Aufforderung streitet eine gleichnamige Initiative für eine kulturelle Nutzung des Hamburger Gängeviertels. Sie wendet sich gegen Abriss und kommerzielle Nutzung im Quartier und hat damit eine Debatte in der Hansestadt entfacht. Keinesfalls handelt es sich um einen Einzelfall. Auch auf dem Berliner RAW-Gelände, im Frankfurter Nordend und im Belgischen Viertel in Köln haben sich Kreativquartiere entwickelt, deren räumliche Dynamik politische Kontroversen erzeugt.
Bis vor Kurzem noch folgten viele Kommunen in Deutschland dem Leitbild der «Creative City». Städte beauftragten Konzepte, Kulturwirtschaftsberichte und Strategien zur Ansiedlung von Wissensökonomien und Kreativunternehmen. In Zeiten der Wirtschaftskrise ist es ruhiger um derartige Initiativen geworden. Möglicherweise taugt das Leitbild der Kreativen Stadt mit der Betonung von Kreativ- und Kulturwirtschaft als endogenes Potenzial aber gerade in der Krise als wirksame Alternative für die Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.
Die Heinrich-Böll-Stiftung und das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH (ILS) laden zum Praxisworkshop bundesweit Stadtentwicklungsexpert/innen, Politiker/innen und Projektemacher/innen ein, damit sie ihre Erfahrungen mit Kreativitätsstrategien austauschen, kritisch abgleichen und neue Ideen diskutieren können.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt: Ist «Kreative Stadt» ein zeitgemäßesKonzept für die Stadtentwicklung? Für welche Stadttypen eignet es sich besonders? Welche Strategien und Ziele verfolgen Städte bei der Unterstützung von Kreativ- und Wissensökonomien, wie realisieren sie konkrete Programme und Projekte? In welchem Zusammenhang steht die Förderung urbaner Lebensqualität in den Stadtquartieren mit der Entwicklung einer «Kreativen Stadt»? Wie gehen Städte mit parallel stattfindenden Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen in urbanen Kreativquartieren um?

PROGRAMM
Freitag, den 22. Januar 2010
13.30 Anmeldung
14.00 Begrüßung
Judith Utz – Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Prof. Dr. Rainer Danielzyk – Wissenschaftlicher Direktor ILS - Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, Dortmund
14.15 Vortrag
(Good and Bad) Governance der Kreativen Stadt
Ares Kalandides – Stadtplaner und Geschäftsführer INPOLIS UCE GmbH, Berlin
Moderation der Vorträge: Prof. Dr. Rainer Danielzyk
14.45 Vortrag
Kreative Städte – Strategie gegen die Wirtschaftskrise?
Michael Söndermann – Kulturstatistiker Arbeitskreis Kulturstatistik e.V., Berater des Europäischen Rats für das Projekt «Compendium Cultural Policies and Trends in Europe», Köln
15.15 Kaffeepause
15.45 Parallele Workshops
WS I Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie «Wissensökonomien» – Ansiedlungsstrategien und Wirtschaftsförderung
PD Dr. Sabine Hafner – Stadtforscherin und Autorin der Studie «München – Standortfaktor Kreativität», Ludwig-Maximilians-Universität München
Paul Blanke-Bartz – Architekt und Städtebauingenieur
Wirtschaftsförderung Dortmund
Maria Kröger – Leiterin des Amts für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
Moderation: Ralf Ebert – Stadtplaner und Berater, StadtArt, Dortmund
WS II Kulturpolitik – Angebote für «kreative Köpfe»?
Axel Sedlack – Leiter der Kulturbetriebe Unna
Christian Sommer – Musikmanager und Geschäftsführer Musikpark Mannheim GmbH und MAFINEX-Technologiezentrum
Cornelia Horsch – Leiterin des Internationalen Designzentrums Berlin (IDZ)
Moderation: Eva Leipprand – Journalistin, ehem. Kulturdezernentin der Stadt Augsburg
WS III Lebensqualität im Quartier – Freiräume für Kreative
Stefanie Raab – Architektin, Kiez-Moderatorin
Zwischennutzungsagentur Berlin - Neukölln
Vitus H. Weh – Künstlerischer Leiter quartier 21 und Freiraum im Museumsquartier Wien
Prof. Iris Reuther * – Professorin für Stadt- und Regionalplanung, Universität Kassel, Architektin Büro für urbane Projekte, Leipzig
Moderation: Judith Utz
17.15 Report aus den Workshops
Strategien für die «kreative Stadt»
Eva Leipprand, Judith Utz und Ralf Ebert berichten
Input: Kommt Hamburg in die Gänge?
NN – Hamburg
Moderation: Jan Engelmann – Referent für Kunst und Kultur, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
17.30 Streitgespräch
Kreative Stadt: Wie? Für wen?
Franziska Eichstädt-Bohlig, MdA – Sprecherin für Stadtentwicklung Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin
Prof. Dr. Jens Dangschat – Soziologe und Stadtforscher Technische Universität Wien, Fachbereich Soziologie
Moderation: Jan Engelmann
19.00 Ausklang mit Kölsch und Quiche
21.00 Ende der Veranstaltung
Samstag, den 23. Januar 2010
10.00 Streifzug durch Kölns Kreativquartiere
Stadtführung (3 Stunden)
Begrenzte Teilnehmer/innenzahl
* angefragt
